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Leerer Umschlag

Du wünschst Geschriebenes von mir,
nur ein paar kleine Zeilen,
nur irgend etwas von mir zu dir,
bei dem du willst verweilen.

Den Wunsch erfüllen kann ich nicht,
denn was ich schrieb, wär schlecht.
Ich finde keine Worte nicht,
es würd dir nicht gerecht.

Ich möcht' dir sagen, was ich fühl',
möcht schütten aus mein Herz,
doch wäre es für mich zu viel,
ich sehe schon den Schmerz.

Ich bin so klein und schwach - fürwahr,
hab doch nur Angst zu lieben.
Denn das, was für mich Liebe war,
ist niemals mir geblieben.

Jetzt, da ich schreibe diese Worte,
erkenn' ich deines Wunsches Sinn,
du willst mich spüren an dem Orte,
an dem ich doch schon lange bin.

Ich schreibe diese Zeilen dir,
ich kann es selbst nicht fassen.
Nie ahnte ich, dass ich von dir,
könnte nie wieder lassen.

Es macht mir Angst, dass ich für dich
so viel geworden bin.
Doch schlimmer ist, dass du für mich
bist noch viel größ'rer Gewinn.

All' das hab' ich erst heut erkannt,
da du nichts wolltest mehr,
als Worte auf Papier gebannt,
oder einen Umschlag - leer.

Ich trau mich nicht, zu sagen dir:
Ich hab' dich lieb, gar sehr.
Drum schick ich leeren Umschlag dir,
er sagt alles und noch mehr.

  © 2005 Silja Jans